Archiv | Oktober 2011

„Studenten sind bei Vermietern nicht gerne gesehen“

Interview mit Eckhard Pahlke (Vorsitzender MIETERVEREIN ZU HAMBURG)

Wie schätzen Sie die derzeitige Situation für Studenten auf Wohnungssuche in Hamburg ein?

Ich denke, dass die Situation mehr als angespannt ist. Ich würde fast sagen, dass sie sich noch nie so schlecht dargestellt hat. Das liegt daran, dass es in diesem Jahr rund 8.500 Erstanmeldungen für Studiengänge in Hamburg gab. Das ist absoluter Rekord und es spitzt die Lage auf dem Wohnungsmarkt zu. Es gibt also dieses Jahr noch mehr Studenten, die auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum waren oder noch sind. Die Konkurrenz ist in diesem Jahr also noch größer. Bei insgesamt 50.000 Studenten gibt es gerade mal 5.800 Studentenunterkünfte in der Hansestadt.

Wieso gibt es besonders in Hamburg nur so wenig bezahlbaren Wohnraum?

Meiner Meinung nach wird in Hamburg viel zu wenig für den Wohnungsbau getan. Die Politik hat hierbei komplett versagt. Das ist der Grund für den knappen Wohnraum in Hamburg. Es gibt also eine größere Nachfrage als Angebot. Das hat wiederum zur Folge, dass sich die Mieten erhöhen.  Ein sehr ungünstiger Trend für Studenten mit einem knappen Budget.

Vor welchen Problemen stehen gerade Studenten bei der Wohnungssuche in Hamburg?

Das Problem besteht darin, dass die meisten Vermieter sehr „traditionsbewusst“ sind und große Vorurteile gegenüber Studenten haben. Studenten sind generell bei Vermietern nicht gerne gesehen. Kein geregeltes Einkommen, Unordentlichkeit und lange Partynächte, das befürchten die Vermieter bei Studenten.  Außerdem wollen viele junge Abiturienten nicht alleine einziehen, sondern bilden Wohngemeinschaften. Eine geeignete Wohnung dafür zu finden, die für WGs geeignet geschnitten ist, ist gar nicht so einfach. Aufgrund der geringen Einkünfte lassen sich manche Vermieter auch nur auf Wohngemeinschaften zur Vermietung ein. Dann verlangen sie aber oft sehr hohe Mietgebühren. Andere lehnen Wohngemeinschaften grundsätzlich ab. Junge Paare oder gut verdienende Singles werden meist bevorzugt.

Welche Tipps hätten Sie für junge Abiturienten, die in Hamburg auf der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung sind?

Studenten sollen sich an die städtischen Vermieter SAGA/GWG und die Wohnungsgenossenschaften wenden. Diese verfügen noch über moderate Mieten, die sich auch Studenten leisten können. Man kann sich dort auf die Warteliste setzen lassen. Von den Wohnungsgenossenschaften gibt es zum Beispiel über 20 Stück, die in den gelben Seiten zu finden sind.

Weitere nützliche Informationen: http://www.mieterverein-hamburg.de/

Jeder braucht ein Dach über dem Kopf – auch Studenten

10 Euro pro Quadratmeter, das können sich die meisten Studenten nicht leisten. Doch besonders in Hamburg ist es sehr schwer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. In diesem Jahr hat sich die Situation noch verschärft, da in mehreren Bundesländern zwei Jahrgänge gleichzeitig das Abitur absolivert haben – nach 13 und nach 12 Jahren. Das bedeutet einen noch größeren Andrang auf die Unis und natürlich auch Wohnungen. Besichtigungstermine mit mehr als 50 anderen Wohnungssuchenden sind die Regel geworden. Wie sollen sich dabei besonders Studenten durchsetzen? Höchstens eine Bürgschaft von den Eltern, aber kein eigenes geregeltes Einkommen und meist noch das Vorhaben, eine Wohngemeinschaft zu gründen – das sind keine guten Voraussetzungen, um von einem Vermieter bevorzugt zu werden. Im Gegenteil: Junge Singles oder Paare, die verdienen und nicht mehr jedes Wochenende Party machen wollen bekommen die Wohnung eher.

Eine große Herausforderung, die in diesem Blog umfassend abgebildet werden soll. Denn auch wenn das fast Unmögliche vollbracht ist und der Mietvertrag unterschrieben wurde, ist die erste große Hürde überwunden worden. Probleme, wie Schimmelbefall sind bei den vielen Hamburger Altbauwohnungen nicht selten. Wie sollte man da reagieren?
Persönliche Erfahrungen und Geschichten von Hamburger Studenten, die ebenfalls auf Wohnungssuche waren oder noch sind, Tipps und Einschätzungen von Experten sowie nützliche Links sollen den jungen Studenten den schwierigen Weg zur ersten eigene Wohnung in Hamburg erleichtern.

Ein journalistischer Themenblog von Studenten für Studenten.