Die verzweifelte Wohnungssuche einer Medizinstudentin

Kathrin Peters* hat mehr als ein halbes Jahr nach einer Wohnung gesucht – fast ohne Erfolg

Foto: pixelio

„Ich liebe Hamburg. Es ist meine Traumstadt, aber ich würde es keinem wünschen, hier auf Wohnungssuche zu sein – schon gar nicht als Student.“ Kathrin Peters ist Medizinstudentin und suchte – wie viele andere Studenten – verzweifelt in Hamburg eine Wohnung. „Ich habe vielleicht auch zu hohe Ansprüche gehabt. Da ich jeden Tag zum Uniklinikum in Eppendorf fahren musste, wollte ich auch gerne in diesem Stadtteil wohnen.“ Jedoch gehört Eppendorf zu den besseren Wohngegenden in Hamburg, was die Suche für bezahlbare Wohnungen für Studenten umso schwerer macht. Das bedeutet: Schlange stehen – und zwar mehrere Stunden lang, bevor man überhaupt eine Wohnung betreten kann. „Einmal wollte ich mir eine Wohnung im Falkenweg anschauen. Ich hatte sogar meine Mutter mitgebracht, da das ja als Student meist gerne gesehen wird, wenn man seinen Bürgen direkt mit dabei hat“, erzählt Kathrin Peters. Jedoch konnte sie ihren Trumpf gar nicht ausspielen. „Immer mehr Menschen sind die Treppe heruntergekommen und meinten, dass sie sowieso keine Stunden nähmen. Ich wollte mir die Wohnung trotzdem mal ansehen. Außerdem standen wir schon zwei Stunden in der Schlange. Nach einer weiteren halben Stunde hieß es dann von oben, die Wohnung sei jetzt vergeben.“  Dabei sei die Wohnung ideal gewesen – auf jeden Fall hätte sie auf den Bildern im Internet so ausgesehen. Deshalb hatte Kathrin den offenen Besichtigungstermin des Maklers wahrgenommen. Sich jedoch gegen mehr als hundert Bewerber durchzusetzen, war von vorneherein so gut wie aussichtslos.

„Ich war verzweifelt, obwohl ich eigentlich schon eine Unterkunft im Studentenwohnheim hatte. Manche müsse die erste Zeit im Hostel oder Hotel wohnen, weil sie keine Wohnung finden. Aber ich habe mich dort überhaupt nicht wohl gefühlt.“ Kathrin hatte es sich angewöhnt, jeden Morgen um sechs Uhr zu duschen, da sie zu dieser Zeit keiner anderen Person begegnete. Besonders keinen Männern, da die Duschen und Toiletten gemischt waren. „Das Kochen in der Gemeinschaftsküche hätte eigentlich sehr nett sein können, aber dort liefen den ganzen Tag die Reiskocher der asiatischen Mitbewohner oder sie ließen Algen garen, die erst nach mehreren Stunden gegessen werden konnten. Als ich einmal lebende Krabben in der Spüle fand, habe ich mir Pizza bestellt.“

Kathrin Peters war bereits auf 20 bis 30 Wohnungsbesichtigungen  – immer ohne Erfolg. Sie hatte ihre Wohnraumsuche bereits erweitert und guckte nun auch im Stadtteil Eimsbüttel. „Eine Anzeige im Internet klang vielversprechend. Jedoch stellte sich das bei der Besichtigung als Trugschluss heraus.“ Nachdem man durch eine Unterführung gegangen sei, hätte dort ein kleines Haus gestanden, in dem die Wohnung besichtigt werden konnte. Vor der Tür hätte ein Mann mit einer benutzten Spritze gelegen und die Gebäude nebenan hätten in der nächsten Zeit abgerissen werden sollen. „Ich bin  mit weiteren 40 Menschen an dem schlafenden Mann vorbei in die kleine Wohnung gegangen. Dort stank es. Leere Wodkaflaschen standen auf dem Tisch, die Steckdosen waren nicht verkleidet und die Besucher rissen der Maklerin die Bewerbungszettel aus der Hand und riefen ‚Ich nehme es!'“. Nicht so Kathrin Peters, sie hat schnell die Flucht ergriffen. „So verzweifelt war ich dann doch nicht.“

Über ein halbes Jahr war  die Medizinstudentin in Hamburg auf Wohnungssuche. Sie stand nun vor einer Entscheidung: Sollte sie ihren Mietvertrag, der eine dreimonatige Kündigungsfrist beinhaltet, schon kündigen, obwohl sie noch keine Wohnung hat? Sollte sie dieses Risiko eingehen oder sollte  sie es in Kauf, vielleicht einen Monat doppelte Miete bezahlen zu müssen? „Ich wollte einfach nicht mehr in meiner neun Quadratmeter großen Studentenwohnung bleiben. Ich wollte dann duschen und kochen, wann ich es wollte.“
Und dann fand sie doch noch ihre Traumwohnung. Zwar konnte sie sich gegen mehr als 100 Bewerber nicht durchsetzen, aber ihr wurde ein WG-Zimmer von zwei Freundinnen aus ihrem Studium angeboten. Ein Zimmer, das an einer vierspurigen Hauptstraße liegt – aber mit Balkon und nur fünf Minuten vom Uniklinikum entfernt ist. „Jetzt bin ich wirklich glücklich. Besonders, wenn ich wieder einen Zettel an einer Straßenlaterne sehe, auf dem steht: ‚ Suche dringend eine Zweizimmerwohnung. Für die Vermittlung zahle ich 500 Euro.‘ Gut, dass ich über solche verzweifelte Methoden, eine Wohnung in Hamburg zu finden, nicht mehr nachdenken muss.“

* Name von Autorin geändert.

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Eine Antwort zu “Die verzweifelte Wohnungssuche einer Medizinstudentin”

  1. Katja sagt :

    Mit der Geschichte kann ich mich sehr gut identifizieren. Mir ging es ganz ähnlich!

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