Der Übeltäter Gentrifizierung?!

Gentrifizierung – ein Begriff, der nicht jedem geläufig ist, aber vielleicht ein bedeutender Grund für die brisante Wohnungssituation in bestimmten Ortsteilen von Hamburg ist. Dieser Text erklärt den Begriff anhand von einer Zusammenfassung mehrerer Experteninterviews und hilft so vielleicht den Studenten zu verstehen, warum es für sie so schwierig ist, in manchen Ortsteilen von Hamburg eine bezahlbare Wohnung zu finden.

 

Michael Sachs, BSU Hamburg Foto: Stadt Hamburg

„Es gibt keine Wohnungsnot in Hamburg. Es gibt eine hohe Nachfrage in bestimmten Stadtteilen, nämlich da wo alle hin wollen.“ Der Wohnungsbaukoordinator der Hansestadt Michael Sachs ist sich des Problems bewusst, dass es sehr schwierig ist, in bestimmten Stadtteilen von Hamburg eine Wohnung zu finden. „Wenn man zwischen Ottensen und Schanze sucht, dann braucht man ungefähr vier Jahre, bis man eine geeignete Wohnung findet. Erweitert man seinen Suchkreis jedoch um einen Kilometer, dann ist man durchaus in der Lage, in einer angemessenen Zeit eine bezahlbare Wohnung zu finden – in Bahrenfeld, in Hamm, im Norden von Wilhelmsburg, im Osten von Hamburg.“

 

 

Christoph Twickel, freier Journalist Foto: privat

Diese Ungleichverteilung der Beliebtheit von Stadtteilen nennen Geographen auch Gentrifizierung. Es ist ein Phänomen, das sich nur in Städten zeigt, die eine Zuwanderung und ein Wirtschaftswachstum haben – so wie Hamburg. Der Journalist und Autor des Buches „Gentrifidingsbum oder eine Stadt für alle“, Christoph Twickel teilt den Prozess in zwei Phasen ein: „In der ersten Phase handelt es sich noch um ein bürgerliches, alternatives und günstiges Wohnviertel, in dem Menschen wohnen, die sich nur billige Wohnungen leisten können – so wie Künstler oder Studenten.“ Diese Pioniere schafften es dann ungewollt, das Viertel für Immobilienmakler und besser Verdienende interessant zu machen. In der zweiten Phase wird es zu einem sogenannten Szeneviertel.

 

 

 

Thomas Pohl, UHH Foto: UHH

In den 80er Jahren habe dieser Prozess in den Stadtteilen Eppendorf und Ottensen stattgefunden, wie der Geographieprofessor der Universität Hamburg, Thomas Pohl weiß. „Ein großes Problem, das die Gentrifizierung mit sich bringt, ist die Allokation. Das bedeutet, dass nun weniger Menschen auf demselben Wohnraum leben und es einen Anstieg von Einpersonenhaushalten gibt. Man benötigt also schlagartig mehr Wohnraum für eine kleinere Anzahl an Menschen.“ Gentrifizierte Stadtteile zeichneten sich dadurch aus, dass ein starkes Angebot an teuren Wohnungen und ein mangelndes Angebot an günstigen Wohnungen herrsche. „Der Anstieg der Mieten in normalen Wohnungen ist in Harvestehude, Rotherbaum, Hoheluft und Eppendorf um 25 Prozent durch die Gentrifizierung gestiegen“, sagt der Professor. Eine Kumulation von gesellschaftlich schwachen Schichten führte somit zu der Entstehung von Problemstadtteilen.

 

Jedoch ist die Gentrifizierung kein typisches Hamburger Phänomen, sondern findet auch in anderen großen Städten statt. Vielleicht ein kleiner wenn auch unbedeutender Trost.

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2 Antworten zu “Der Übeltäter Gentrifizierung?!”

  1. generationcasting sagt :

    Total spannendes Thema! Studenten, Künstler und Migranten aus verschiedenen Kulturen bereichern die Stadtteile und sorgen für Multikulti und lassen Szenestadtviertel entstehen und werden jetzt nach und nach durch überhöhte Mietpreise wieder verdrängt!

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