Dreiteilige Serie: Hamburg – eine der teuersten Städte Deutschlands. Warum?

Hamburg gehört zu den teuersten Großstädten Deutschlands. Es ist sogar das teuerste Bundesland, noch vor Bayern. Viele Menschen wollen in der Hansestadt leben, eine Wohnung zu finden ist jedoch schwierig – besonders eine Bezahlbare. Denn in den stadtnahen, beliebten Gegenden liegt der Quadratmeterpreis bei durchschnittlich 10,30 Euro. Kann man also von einer Wohnungsnot sprechen? Nein, sagen die Experten. Aber eine Knappheit – besonders an billigem Wohnraum – besteht. Den einen Schuldigen gibt es dafür nicht. Eigentlich sind wir alle dafür verantwortlich.  Sowohl gesellschaftliche Entwicklungen und Fehlentscheidungen in der Politik haben zu der heutigen Situation beigetragen.

Um die schwierige Wohnungssituation in Hamburg zu erklären, starte ich nun mit einer Dreiteiligen Serie, in der ich verschiedene Gründe beschreibe, die zu der heutigen Lage geführt haben. Dazu habe ich mit vielen Experten aus dem Immobiliensektor von Hamburg gesprochen.

Der erste Teil beginnt mit dem Thema Politik. Was haben die Hamburger Politiker in der vergangenen Zeit gegen die hohen Mietpreise unternommen? Was ist geglückt und was hat die Situation vielleicht noch verschlechtert?

Hamburg – eine der teuersten Städte Deutschlands. Warum?

  1.      Politik
  2. Gesellschaft
  3. Schrumpfende Sozialwohnungen vs. wachsende Büroflächen

Jeder neue Bürger, der nach Hamburg zieht, bedeutet für die Stadt zusätzliche Steuereinnahmen von 3 000 Euro jährlich. Um mehr Menschen, besonders Familien und qualifizierte Fachkräfte,  nach Hamburg zu locken, entwickelte die Regierung im Jahr 2002 aus CDU und FDP die Initiative „Metropole Hamburg – Wachsende Stadt“. Ein gekonntes Marketingprojekt, dem aber vorgeworfen wird, keine konkreten politischen Schritte mit sich gebracht zu haben.

Ingrid Breckner. Foto: HCU

„Es wurde auch nicht darauf geachtet, ob alle Zuwanderer wirklich eine Wohnung bekommen haben. Eine reale Übersetzung in praktische Handlungszüge gab es nicht.“ So schätzt Prof. Dr. Ingrid Breckner von der Hafen Citiy Universität Hamburg die Initiative ein. Man habe sich darauf verlassen, dass Investoren nach Hamburg kommen würden. Es seien aber nicht so viele gekommen wie erwartet. Und die, die gekommen sind, hätten meistens teure Wohnungen gebaut. Das Problem jedoch: Es gibt nicht genug Gutverdiener in Hamburg, die diese Luxuswohnungen bezahlen könnten. „Die Initiative wachsende Stadt war demnach ein Produkt, das durch eine marktwirtschaftlich orientierte Politik entstanden ist“, erklärt der Wohnungsbaukoordinator der Hansestadt Hamburg, Michael Sachs. Er fügt jedoch hinzu, dass nicht allein die Initiative an der heutigen Wohnsituation Schuld sei, sondern dass die Politik jahrelang zu marktorientiert gehandelt habe und „Metropole Hamburg – Wachsende Stadt“ nur ein Teil davon gewesen sei.

Michael Sachs, BSU Hamburg, Foto: Stadt Hamburg

Eine weitere Maßnahme der Hamburger Politiker in den letzten Jahren war mehr direkte Demokratie zu schaffen.  Ein Ergebnis davon ist die Bezirksverwaltungsreform. Seit 2006 ist nicht mehr der Senat, sondern die einzelnen Bezirke für Neubauten zuständig. Sie entscheiden, ob ein neues Hause erbaut wird. Eigentlich sinnvoll – schließlich sind die Bezirke näher am Geschehen dran und können besser darüber entscheiden, ob in ihrem Zuständigkeitsbereich ein Bauvorhaben realisiert werden sollte. Sie kennen ihren Bezirk und wissen besser als der Senat, ob der Bau nötig ist oder nicht. Jedoch hat diese Nähe auch einen Nachteil: Die Bezirksleiter wollen ihre Stelle behalten und wiedergewählt werden.

Gleichzeitig hat sich eine gesellschaftliche Bewegung zu mehr Mitspracherecht entwickelt. „In den vergangenen fünf Jahren gab es mehr Bürgerbegehren. Die Menschen mischen sich mehr ein und wollen Mitspracherecht bei den Bauvorhaben“, berichtet die Abteilungsleiterin für Projekte der Stadtentwicklung und Bauplanung des Bezirkes Altona, Martina Nitzl.

Traumwohnungen in Hamburg, die sich Studenten schon gar nicht leisten können. Foto: Pixelio

Diese Kombination führte dazu, dass weniger Bauvorhaben umgesetzt wurden. Auf der einen Seite wollten die Bewohner keine Baustelle in ihrer Nachbarschaft und auf der anderen Seite wollten die Bezirksleiter wiedergewählt werden und gingen auf die Forderungen ein. Somit hatten immer mehr Bürgerbegehren Erfolg – bis heute.

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