Reurbanisierung und Single-Haushalte: Das war zu viel für Hamburg

Um die schwierige Wohnungssituation in Hamburg zu erklären, habe ich mit einer Dreiteiligen Serie, in der ich verschiedene Gründe beschreibe, die zu der heutigen Lage geführt gestartet. Dazu habe ich mit vielen Experten aus dem Immobiliensektor von Hamburg gesprochen.

Nachdem ich mich im ersten Teil mit dem Thema Politik beschäftigt habe, folgt nun das Thema Gesellschaft. Haben etwa die Hamburger selbst an den hohen Mietpreisen schuld? Welche gesellschaftlichen Entwicklungen haben zu der heutigen Situation auf dem Wohnungsmarkt beigetragen?

 

Hamburg – eine der teuersten Städte Deutschlands. Warum?

  1. Politik
  2. Gesellschaft
  3. Schrumpfende Sozialwohnungen vs. wachsende Büroflächen

 

Ingrid Breckner. Foto: HCU

Die Lage auf dem Hamburger Wohnungsmarkt ist angespannt – besonders in einigen Stadtteilen ist es nur für Besserverdienende möglich, eine Wohnung zu bezahlen. Die Gründe für diese Situation sind vielfältig und auch gesellschaftliche Entwicklungen haben dazu beigetragen, wie zum Beispiel die Reurbanisierung Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre. Grund dafür waren die veränderten Werte und Lebensvorstellungen der Menschen. Besonders die veränderten Rollen von Mann und Frau trugen zu einer Rückkehr in urbane Lebensräume bei. „Frauen finden auf dem Land meist keine adäquate Arbeit. Somit müssen beide Partner pendeln und das kostet Geld“, erklärt die Professorin für Stadt- und Regionalsoziologie im Studiengang Stadtplanung an der Hafencity-Uni Hamburg (HCU), Ingrid Breckner. Auch die wenig kulturellen Angebote auf dem Land hätten dazu beigetragen, dass es die Menschen in die Stadt zog. „Auch die Politik förderte diese Entwicklung, da Steuereinnahmen in den großen Städten fehlten und durch die zunehmende Bevölkerung innerstädtisch mehr Steuern eingenommen werden konnten“, so Breckner. Folglich wurden mehr Wohnungen saniert und gebaut – dies aber nicht in ausreichendem Maße.

Es wollen mehr Menschen in die Stadt, als es Wohnungen gibt. Foto: pixelio

Michael Sachs, BSU Hamburg, Foto: Stadt Hamburg

Die Entwicklung zu einer Single-Gesellschaft verstärkte den Trend ebenfalls. Singles wollen lieber unter vielen Menschen in der Stadt leben als allein auf dem Land. Jedoch brauchen Single-Haushalte mehr Platz als Familien, die sich meist ein Bad und eine Küche teilen. „Der Bedarf pro Kopf ist also gestiegen und steigt auch weiterhin“, erklärt der Wohnungsbaukoordinator der Hansestadt Hamburg, Helmut Sachs. Früher hätte es einen durchschnittlichen Bedarf von 20 Quadratmetern gegeben, heutzutage müsse man mit einem Bedarf von 40 Quadratmetern pro Kopf rechnen. „Nur leider sind die Neubauten an Wohnungen nicht dementsprechend gestiegen.“

Hohe Nachfrage und wenig Angebot – das bedeutet einen Preisanstieg. Aus dem aktuellen Mietenspiegel von Hamburg geht hervor, dass die Miete für eine 1-2 Personen Wohnung (41 m² – 66 m² mit Bad und Sammelheizung) in einer guten Lage in Hamburg durchschnittlich 10,30 Euro pro Quadratmeter beträgt. Laut Statistikamt Nord haben jedoch 75 Prozent der Haushalte der Hansestadt ein monatliches Nettoeinkommen unter 3 200 Euro. Also haben nur diese Haushalte maximal  1 000 Euro Wohngeld zur Verfügung, was einer Miete von 10 Euro pro m² entspricht. Es lässt sich also festhalten, dass sich 75 Prozent der Hamburger Haushalte keine Wohnung in einer guten Lage leisten können.

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