Teure Wohnpreise und leer stehende Bürogebäude

Um die schwierige Wohnungssituation in Hamburg zu erklären, habe ich mit einer Dreiteiligen Serie, in der ich verschiedene Gründe beschreibe, die zu der heutigen Lage geführt gestartet. Dazu habe ich mit vielen Experten aus dem Immobiliensektor von Hamburg gesprochen.

Nachdem ich mich im ersten Teil mit dem Thema Politik und im zweiten Teil mit dem Thema Gesellschaft beschäftigt habe, folgt nun der letzte Beitrag in der Serie: Schrumpfende Sozialwohnungen vs. Wachsende Büroflächen. Denn wer sich mit dem Thema Wohnsituation in Hamburg beschäftigt, der stößt irgendwann auf den Vorwurf der leer stehenden Bürogebäude, die den Anschein haben, immer mehr zu werden während es kaum noch bezahlbaren Wohnraum für die Bevölkerung gibt. Stimmt dieser Vorwurf?

Hamburg – eine der teuersten Städte Deutschlands. Warum?

  1. Politik
  2. Gesellschaft
  3.  Schrumpfende Sozialwohnungen vs. wachsende Büroflächen

Hohe Nachfrage und wenig Angebot, so kann die Lage auf dem Hamburger Wohnungsmarkt beschrieben werden. Jedoch bedeutet dieser Zustand einen Preisanstieg. Aus dem aktuellen Mietenspiegel von Hamburg geht hervor, dass die Miete für eine 1-2 Personen Wohnung (41 m² – 66 m² mit Bad und Sammelheizung) in einer guten Lage in Hamburg durchschnittlich 10,30 Euro pro Quadratmeter beträgt. Laut Statistikamt Nord haben jedoch 75 Prozent der Haushalte der Hansestadt ein monatliches Nettoeinkommen unter 3 200 Euro. Diese Haushalte haben nur 1 000 Euro Wohngeld zur Verfügung, was einer Miete von 10 Euro pro m² entspricht. Es lässt sich also festhalten, dass sich 75 Prozent der Hamburger Haushalte keine Wohnung in einer guten Lage leisten können.

Da die Miete für eine gleichwertige Wohnung in einer normalen Lage auch schon 8,02 Euro pro Quadratmeter monatlich kostet, ist es sehr wichtig, dass bezahlbare Wohnungen gebaut werden, also den Bau von Sozialwohnungen zu fördern. Doch genau das tut die Stadt nur sehr eingeschränkt.

Ingrid Breckner. Foto: HCU

„Sozialwohnungen wurden nach dem Krieg gefördert – in den 70 Jahren gab es mehr als 40 Prozent Sozialwohnungen in Hamburg“, berichtet Ingrid Breckner, Professorin für Stadt- und Regionalsoziologie im Studiengang Stadtplanung an der Hafencity-Uni Hamburg (HCU). Jedoch fielen immer mehr Wohnungen aus den Bindungen und es folgten keine neuen Unterkünfte. Der Grund dafür: Das Haushaltsdefizit und die Mischfinanzierung aus Bund und Ländern. „Der Bund spart, es gibt nicht mehr so viele Fördermittel und die Länder können den Verlust nicht mehr kompensieren.“ Dabei würde sich die Lage, laut Breckner, auf dem Wohnungsmarkt in Hamburg durch mehr Sozialwohnungen entspannen.

Heute hat Hamburg noch gut 98 000 Sozialwohnungen. Durch das Auslaufen der Bindungen wird sich diese Zahl in den nächsten zehn Jahren auf knapp 57 000 reduzieren, also fast um die Hälfte sinken. Auch die Behörde für Stadtentwicklung hat dieses Problem erkannt und mit der SAGA GWG eine Vereinbarung getroffen, dass bis zum Jahr 2019 mindestens 3 000 berechtigte Haushalte mit Sozialwohnungen versorgt werden. So soll der soziale Wohnraum in Hamburg trotz des Auslaufens der Bindungen gesichert werden. Das geht aus einer Pressemitteilung des Senats hervor.

Helmut Sachs, Wohnungsbaukoordinator der Hansestadt Hamburg, sieht in dem Auslaufen der Bindungen gar nicht so ein großes

Michael Sachs, BSU Hamburg, Foto: Stadt Hamburg

Problem. Seiner Einschätzung nach würden die Mietpreise sowieso nicht stark ansteigen, da die Sozialwohnungen in schlechteren Stadtteilen lägen. „Dort kann man gar nicht so viel Miete verlangen. Der Markt wird sich selbst regulieren.“

Jedoch stände fest, dass es im Gegenzug dazu, zu viele Bürogebäude in Hamburg leer ständen. Helmut Sachs sieht den Grund dafür in der Hoffnung, durch den Bau von Büroflächen, mehr Arbeitsplätze zu schaffen – besonders für die Regierung sei dies lukrativ. „Das heißt, jede wirtschaftlich orientierte Regierung ist daran interessiert, möglichst viele Flächen bereit zu stellen, auf denen man Gewerbeimmobilien bauen kann.“ Ein Beispiel dafür sei die Hafen-City. Diese sei schwerpunktmäßig als Bürostadt entwickelt worden, auch wenn sie momentan „alibi-mäßig“  ein paar Wohnungen habe. „Das hat man auch gemacht, um keine reine Bürostadt zu haben. In der Hafen-City wurden also sehr viele neue Gewerbeflächen geschaffen, mehr als überhaupt benötigt werden. Mit dem Bau der Flächen sind ja nicht gleichzeitig auch neue Firmen entstanden. Viele Hamburger Firmen haben ihren Sitz in die Hafen-City verlegt. Und dort, wo die Firmen weggegangen sind, herrscht jetzt größtenteils Leerstand.“ Das heißt: Wenn man höchst attraktive Büroflächen baut, schafft man woanders ein Loch. Die anderen Standorte werden unattraktiv.

Hamburger Hafencity: Eine Bürostadt, Foto:pixelio

Ingrid Breckner betont außerdem die hohen Renditen beim Bürobau. „Eine gut gelegene Gewerbefläche gibt zwischen 20-40 € pro Quadratmeter. Bei Wohnflächen hingegen sind es acht bis 13 €. Zudem ist der Bau von Büros billiger, da beispielsweise weniger sanitäre Anlagen gebaut werden müssen.“ Eine Lösung für das Problem sieht Breckner in einem Einschreiten der Politik. Diese hätte die Möglichkeit, in bestimmten Gebieten nur Wohnungsbauten zuzulassen und so weitere leer stehende Bürogebäude zu verhindern.

Leer stehende Bürogebäude sollen von der Politik verhindert werden, Foto: pixelio

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